September 10, 2026
Seit Jahrtausenden begleitet Bier die Menschheit – als Nahrung, Ritual, Rausch und Kultur.
Von den sumerischen Priesterinnen am Euphrat bis zu den Braumeistern moderner Mikrobrauereien erzählt dieses ... -  - youtube

Starker Sud der Mönche: ein historisches Fastenbier in der Fastenzeit

Im 17. Jahrhundert entwickelten Mönche in Bayern ein kräftiges, nährstoffreiches Bier, das ihnen helfen sollte, eine strenge Fastenzeit einzuhalten – und legten damit den Grundstein für eine heute bekannte Brauerei und einen unverwechselbaren Bierstil.

Die Paulaner-Mönche, die im 17. Jahrhundert nach Bayern kamen, verzichteten während der Fastenzeit komplett auf feste Nahrung. Um sich zu stärken, brauten sie ein Bier, das besonders reich an Kohlenhydraten und Nährstoffen war.

Martin Zuber, Braumeister der Paulaner Brauerei, erklärt, dass die Mönche einen ungewöhnlich starken Sud schufen, der als erlaubt galt, da er das Fasten technisch gesehen nicht brach.

Mit dieser „flüssigen Nahrung“ konnten sie ihre strenge Fastentradition einhalten – und prägten zugleich die bayerische Braukultur wesentlich.

Das Erbe des Mönchsbieres in der bayerischen Brautradition

Die erste Version dessen, was heute als Doppelbock bekannt ist – ein starker bayerischer Lager-Stil – wurde zunächst nur für den Eigenbedarf der Mönche gebraut.

Später wurde daraus eines der Ursprungsbiere der 1634 gegründeten Paulaner Brauerei. Die Mönche nannten das kräftige Bier Salvator, abgeleitet von Sankt Vater.

Die Historie des reinen Fastenbier-Rituals, bei dem während der Fastenzeit ausschließlich Doppelbock getrunken wurde, wurde 2011 von einem Journalisten eindrucksvoll nachvollzogen: Über 46 Fastentage hinweg nahm er, mit medizinischer Begleitung und Genehmigung seines Arbeitgebers, ausschließlich eigens gebrauten Doppelbock zu sich.

Er berichtete, dass die Erfahrung zu einem neuen Verständnis für die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers führte und das Gefühl von Selbstdisziplin schärfte – eine Bestätigung für die Überlieferungen aus dem klösterlichen Alltag.

Diese moderne Fastenaktion unterstrich den anhaltenden Zusammenhang zwischen bayerischer Braukunst und spiritueller Tradition.

Kulturelle Bedeutung heute

Während das Fasten heute für Katholik:innen meist mit Verzicht und Abstinenz verbunden ist, ist ein reines Flüssigfasten nicht mehr vorgeschrieben.

Trotzdem zeigt die Tradition, wie Geschichte, Bier, spirituelle Disziplin und eine reiche Braukultur zusammenhängen – gut sichtbar bei Brauereien wie der Paulaner, die weiterhin zu den wichtigsten Doppelbock-Brauern zählt und bei Events wie dem Münchner Oktoberfest präsent ist.